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Ein Tennisarm sollte zuallererst konservativ behandelt werden. Anfangs spielen meist Übungen, VerhaltensĂ€nderungen und Orthesen eine Rolle. Die Wirksamkeit hĂ€ngt vom Schweregrad des Tennisarms ab. Wenn diese Behandlungsoptionen nicht helfen, gibt es noch eine Reihe weiterer konservativer Möglichkeiten. Erst wenn konservative Maßnahmen nicht erfolgreich sind, kommen chirurgische Verfahren zum Einsatz.

Wir zeigen dir, welche Behandlungen es gibt und ob diese wissenschaftlich bewiesen sind. So kannst du gemeinsam mit deinen Ärzt:innen entscheiden, welche Behandlungen du durchfĂŒhren möchtest.

Inhaltsverzeichnis:

Was ist ein Tennisarm?

Der Tennisarm (auch Epicondylitis humeri radialis bzw. lateralis oder Epicondylopathi humeri radialis bzw. lateralis) ist eine schmerzhafte VerĂ€nderung der Sehnen am Ă€ußeren Ellbogen. Einseitige Belastung, Überlastung, bestimmte Erkrankungen (z. B. Diabetes mellitus) oder Lebensstilfaktoren (z. B. Rauchen) fĂŒhren zu krankhaften VerĂ€nderungen der Sehnen.

Die Folgen sind ein Umbau der Sehnen mit vermehrter GefĂ€ĂŸ- und Nerveneinsprossung sowie Mikrorisse. Das fĂŒhrt zu Schmerzen im Bereich des Ă€ußeren Ellbogens, die bis in die Hand ausstrahlen und vor allem durch Strecken und Beugen des Arms bzw. des Handgelenks verstĂ€rkt werden können. Die Krankheit ist in der Regel ĂŒber einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren selbstlimitierend, die akute Schmerzphase kann jedoch 6-12 Wochen dauern.

Wenn du medizinische Fragen oder Bedenken hast, so hole bitte Ă€rztlichen Rat ein. Unsere Artikel stĂŒtzen sich auf von Fachleuten geprĂŒfte Forschungsergebnisse und Informationen von medizinischen Fachgesellschaften und Regierungsbehörden. Sie stellen jedoch keinen Ersatz fĂŒr eine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar.

Haftungsausschluss

Wie wird ein Tennisarm am besten behandelt?

FĂŒr die Behandlung des Tennisarms stehen verschiedene konservative und chirurgische Behandlungsmethoden zur VerfĂŒgung. Studien zeigen, dass in den allermeisten FĂ€llen zunĂ€chst eine konservative Therapie erfolgen sollte. VerhaltensĂ€nderungen, Schienung sowie Übungen sind wichtige Teile des initialen Behandlungswegs. Zur kurzfristigen Schmerzlinderung können nichsteroidale Antirheumatika (NSAR) und KĂŒhlung beitragen. Daneben stehen noch viele weitere nichtinvasive Optionen zur VerfĂŒgung: z. B. Ultraschalltherapie oder Kinesio-Tape. In nĂ€chster Instanz, wenn die zuvor versuchten Behandlungsmethoden keinen ausreichenden Erfolg bringen, bieten sich etwa Needling oder eine Infiltrationstherapie an. Wurden die konservativen Therapiemethoden ausgeschöpft und keine nachhaltige Verbesserung erreicht, so können unterschiedliche chirurgische Verfahren zum Einsatz kommen. Wie die einzelnen Optionen ablaufen und wirken, erklĂ€ren wir hier 👇


In diesem Artikel zeigen wir dir, welche Behandlungen es gibt und ob diese wissenschaftlich bewiesen sind. So kannst du gemeinsam mit deinen Ärzt:innen entscheiden, welche Behandlungen du durchfĂŒhren möchtest und kannst unnötige und manchmal auch sehr teure Behandlungen ohne erwiesene Wirkung vermeiden. SelbstverstĂ€ndlich kann es Behandlungen geben, die zwar wissenschaftlich (noch) nicht ausreichend erforscht sind und aus diesem Grund hier nicht erwĂ€hnt werden, im individuellen Fall aber wirksam sein können. Mehr zu unserer Arbeitsweise findest du hier: wie wir arbeiten.

Zu den konservativen Behandlungen (18)

Zu den chirurgischen Behandlungen (5)

Konservative Tennisarm Behandlung

Vorsorge

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ☆ ☆ ☆ 2.0

PrĂ€ventive Maßnahmen können helfen, das Risiko fĂŒr ein (Wieder-)Auftreten der Erkrankung zu verringern und bereits bestehende Beschwerden zu lindern. Nachdem repetitive Überbelastung der Arme im Rahmen von Sport, Arbeit und Freizeit eine hĂ€ufige Ursache fĂŒr die Entstehung eines Tennisarms darstellen, gilt es, diese Reize frĂŒhzeitig zu reduzieren. Dazu zĂ€hlt einerseits die Schonung des betroffenen Arms in akuten Schmerzphasen. Andererseits sollte darauf geachtet werden, die auslösenden Bewegungen so zu modifizieren, dass diese keine Beschwerden verursachen. Demnach sollte beispielsweise auf die technisch korrekte AusfĂŒhrung sportlicher AktivitĂ€ten (z. B. Tennisschlag) sowie die Optimierung des Arbeitsplatzes (z. B. Sitzposition, erhöhte Tastaturen, Vertikalmaus) geachtet werden. Erhöhte AnfĂ€lligkeit besteht auch dann, wenn die Überbelastung im untrainierten Zustand erfolgt – darum sind regelmĂ€ĂŸiges Kraft- und Ausdauertraining wichtige Eckpfeiler der Vorsorge. Ein gesunder Ellbogen erfordert auch ein gesundes Schulter- und Handgelenk sowie eine starke Muskulatur um das Schulterblatt und die Arme, um die Belastung auf die kleineren Unterarmmuskeln zu verringern. Entscheidend ist eine frĂŒhzeitige und konsequente Beachtung vorsorglicher Maßnahmen.

VerhaltensÀnderungen

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ☆ ☆ ☆ 2.0

Da es beim Tennisarm zu einem Reizzustand von mechanisch belastetem Sehnengewebe am Unterarm kommt, ist es unbedingt notwendig, die auslösenden TĂ€tigkeiten und Bewegungen zu unterlassen. Dies trifft fĂŒr alle auslösenden Alltagsbewegungen und –Belastungen zu. Insbesondere in der Akutphase ist daher eine vermehrte Schonung vonnöten, um die Sehnen zu entlasten, bei der Heilung zu unterstĂŒtzen und Schmerzen nachhaltig zu lindern. Eine VerstĂ€rkung bzw. ein Wiederauftreten der Beschwerden kann durch bewusstes Verhalten hĂ€ufig verhindert werden.

Übungen

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ★ ☆ ☆ 3.0

Die Trainingstherapie hat sich bei der Behandlung des Tennisarms bewĂ€hrt und stellt einen wichtigen Grundpfeiler in der konservativen Therapie dar. Teil der Übungstherapie sind Mobilisation, DehnĂŒbungen sowie ein schrittweiser Kraftaufbau. Insbesondere der Einsatz von exzentrischem, also dehnendem Training, hat sich als vorteilhaft erwiesen: Hierbei wird die Streckmuskulatur des Unterarms gedehnt und gestĂ€rkt. Entscheidend, um einen idealen Heilungserfolg zu erzielen, sind ein frĂŒhzeitiger Beginn sowie die regelmĂ€ĂŸige DurchfĂŒhrung. Du solltest wĂ€hrend einer Übung keine Schmerzen verspĂŒren, ein gewisses Maß an Unbehagen ist jedoch normal. Sprich mit deine:r Ärzt:in oder Physiotherapeut:in, wenn du bei der DurchfĂŒhrung des Programms Schmerzen hast.

Orthesen (Bandage oder Spange)

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ★ ☆ ☆ 3.0

Die Orthesen, die zur Behandlung des Tennisarms eingesetzt werden, sind ĂŒblicherweise Bandagen oder „Spangen“. Dabei handelt es sich meist um gut gepolsterte Unterarmgurte mit KlettverschlĂŒssen. Der Gurt ĂŒbt Druck auf die Sehnen an der Außenseite des Ellenbogens aus und Ă€ndert so die Zugrichtung dieser Sehnen. So wird die Belastung des ĂŒberbeanspruchten Bereichs verringert. Zudem wird die maximale Muskelkontraktion erschwert. Durch diese Prinzipien sollen die gereizten Sehnenanteile entlastet werden, um eine schnellere Regeneration zu ermöglichen. Die Bandagen können im Alltag und bei körperlichen AktivitĂ€ten getragen werden.

NSAR oral

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ★ ☆ ☆ 3.0

Insbesondere in der Akutphase eines Tennisarms stellen Schmerzen das Hauptproblem dar. FĂŒr die kurzzeitige Schmerzbehandlung können sogenannte NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) zum Einsatz kommen. Die Medikamentengruppe der NSAR wird neben der Schmerzlinderung auch zur EntzĂŒndungshemmung und Fiebersenkung eingesetzt.Zu den bekanntesten Wirkstoffen aus dieser Gruppe zĂ€hlen Ibuprofen, AcetylsalicylsĂ€ure und Diclofenac. NSAR sollten möglichst nur ĂŒber einen kurzen Zeitraum eingenommen werden.

Topische NSAR (Salben oder Gel)

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ★ ☆ ☆ 3.0

Eine Behandlung mit NSAR-Salben oder -Gelen (nichtsteroidale Antirheumatika) kann besonders in einem frĂŒhen Erkrankungsstadium zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Die PrĂ€parate können direkt auf den betroffenen Bereich aufgetragen werden. Der Vorteil gegenĂŒber Tabletten besteht darin, dass der Magen weniger belastet wird. Die Medikamentengruppe der NSAR wird generell zur Schmerzlinderung und EntzĂŒndungshemmung eingesetzt. Zu den bekanntesten Wirkstoffen aus dieser Gruppe zĂ€hlen Ibuprofen und Diclofenac.

Kinesio-Taping

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ★ ★ ☆ 4.0

Ein Kinesio-Tape (KT) ist ein elastisches Stoffpflaster, welches bei vielerlei Muskel-, Sehnen- und Gelenkserkrankungen angewandt wird. Die Kinesio-Tapes können selbst oder von Professionalist:innen angebracht werden. Die Wirkung des Kinesio-Taping soll auf einer UnterstĂŒtzung der regionalen Muskulatur beruhen: Durch die Verbesserung der Blut- und Lymphzirkulation wird eine Reduktion von Schmerzen und abnormer Muskelspannung durch Druck auf bestimmte Rezeptoren erzielt. Die Pflaster können allerdings bei manchen Patient:innen zu Hautirritationen fĂŒhren. Bei empfindlicher Haut kann ein Test zeigen, ob reagiert wird: Dazu wird (vor der großflĂ€chigen Anwendung) ein kleines StĂŒck Tape aufgeklebt und beobachtet, ob Irritationen auftreten. Kinesio-Tapes werden insbesondere in Kombination mit anderen Therapieoptionen wie z. B. Physiotherapie empfohlen.

Manuelle Therapie

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ☆ ☆ ☆ 2.0

Die manuelle Therapie (MT) besteht aus verschiedenen passiven Weichteilmobilisierungen zur Verbesserung von Schmerzen, Bewegungsumfang und MobilitĂ€t. Nur physiotherapeutische Fachpersonen oder Ă€rztliche Behandler:innen mit entsprechender Qualifikation fĂŒhren diese Therapie aus. Der Schwerpunkt der Therapie des Tennisarms liegt auf der Verbesserung der Dehnbarkeit des Gewebes und der Korrektur biomechanischer UnregelmĂ€ĂŸigkeiten. Der alleinige Einsatz der manuellen Therapie wird derzeit nicht empfohlen. In Kombination mit diversen KrĂ€ftigungsĂŒbungen zeigte sie jedoch einen positiven Effekt. Durch die manuelle Therapie werden intensivere StĂ€rkungs- und DehnungsĂŒbungen möglich, die eine schnellere und effizientere Regeneration der betroffenen Sehnenanteile ermöglichen.

Friktionsmassage

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ☆ ☆ ☆ 2.0

Die Friktionsmassage ist eine spezielle, tiefe Bindegewebsmassage. Das Ziel ist es, die Beweglichkeit innerhalb der Weichteilstrukturen von BĂ€ndern, Sehnen und Muskeln zu erhalten und die Bildung von Verwachsungsnarben zu verhindern, welche durch EntzĂŒndungsreaktionen entstehen können. Die Friktionsmassage soll die Durchblutung im Bereich des Gelenks erhöhen. Da mehr Sauerstoff zur Verletzung transportiert wird, soll dies die Heilung der gereizten Sehne erleichtern.

Ultraschall-Therapie

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ☆ ☆ ☆ 2.0

Der therapeutische Ultraschall ist ein nicht-invasives Verfahren, bei dem feinste Schwingungen ĂŒber einen Schallkopf ausgesendet und ĂŒber die Haut in das Gewebe eingeleitet werden. Man geht davon aus, dass die Ultraschallbehandlung thermische und mechanische Wirkungen auf das Zielgewebe hat, was zu einer Steigerung des Stoffwechsels, der Durchblutung, der Dehnbarkeit des Bindegewebes und der Geweberegeneration fĂŒhrt – allesamt Faktoren, die die Reizung der Sehnen lindern sollen. Die besten verfĂŒgbaren Daten deuten darauf hin, dass die Ultraschallbehandlung ĂŒber einen Zeitraum von ein bis drei Monaten zu einer leichten Schmerzlinderung fĂŒhrt. Der kombinierte Einsatz mit Bewegung scheint eine wirksamere Schmerzlinderung nach sich zu ziehen. Die Ultraschalltherapie muss meist mehrmals durchgefĂŒhrt werden.

TENS (Transkutane elektronische Nervenstimulation)

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ☆ ☆ ☆ 2.0

Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) bezeichnet eine Form der Elektrotherapie, welche in der Behandlung diverser muskuloskelettaler Erkrankungen Anwendung findet. Mithilfe klebender Elektroden kann der Stromreiz gezielt angewendet werden. Dabei werden leichte elektrische Impulse an spezielle, schmerzvermittelnde Nervenfasern abgegeben, die bei der Weiterleitung von Schmerzreizen gehemmt werden. Die Behandlung ist weitgehend schmerzfrei. Als unerwĂŒnschte Wirkung können Hautreaktionen auf den Klebstoff der Elektroden auftreten. Vorsicht ist bei implantierten GerĂ€ten wie Herzschrittmachern und Defibrillatoren sowie bei Vorliegen einer Epilepsie geboten. In diesen FĂ€llen sollte unbedingt auf die Anwendung der TENS verzichtet werden. AbhĂ€ngig von GerĂ€t- und Anwendungsart gilt eventuell auch Vorsicht bei der Anwendung nahe metallischer Implantate – bitte hierzu stets die Packungsbeilage beachten.

Akupunktur

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ★ ☆ ☆ 3.0

Die Akupunktur ist eine Behandlungsmethode der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Ihre therapeutische Wirkung soll durch sehr dĂŒnne Nadeln, die an bestimmten Triggerpunkten platziert werden, erzielt werden. Durch diese Stimulation sollen die Durchblutung verbessert und die SelbstheilungskrĂ€fte aktiviert werden, was zu einer EntzĂŒndungslinderung in den gereizten Sehnen fĂŒhrt. Auch die Schmerzwahrnehmung kann so gemindert werden.

Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT)

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ★ ☆ ☆ 3.0

Die Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) ist ein nichtinvasives Verfahren, bei dem Druckwellen mit einem Applikator lokalisiert auf bestimmte Körperstellen gerichtet werden, um die Schmerzlinderung und Heilung zu fördern. Im Allgemeinen gilt die ESWT als sicher und einfach anzuwenden und wird von den meisten Patienten gut vertragen. Die Anwendung kann allerdings unangenehm sein. Obwohl die genauen Mechanismen fĂŒr die schmerzlindernde und heilende Wirkung noch nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rt sind, wird vermutet, dass die Stoßwellen die Geweberegeneration beschleunigen, mögliche Verkalkung reduzieren und Schmerzrezeptoren hemmen. Zu den möglichen unerwĂŒnschten Wirkungen gehören eine vorĂŒbergehende Rötung, Schmerzen, sowie kleinere HĂ€matome.

Dry Needling

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ★ ★ ☆ 4.0

Beim Dry Needling werden die krankhaft verĂ€nderten Anteile der Sehnen am Ă€ußeren Ellbogen punktiert. Mit einer speziellen Technik (mit oder ohne Ultraschall-UnterstĂŒtzung) werden sie mehrfach durchstochen. Es werden dadurch kleine, gezielte Einblutungen erwirkt, die wiederum eine verstĂ€rkte Wundheilung und Regeneration der verĂ€nderten Sehne provozieren. Das Dry Needling regt also den Körper dazu an, den Defekt selbst zu heilen.

Botox-Infiltration

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ★ ★ ☆ 4.0

Eine Infiltration mit Botulinumtoxin A (Botox) kann die Beschwerden, die mit der schmerzhaften Sehnenreizung einhergehen, lindern. Botox reduziert einerseits die Muskelspannung (v. a. im kurzen speichenseitigen Handstrecker), wodurch sich eine Schmerzreduktion einstellen kann. Andererseits wird durch die Injektion eine EntzĂŒndungsreaktion provoziert, die Selbstheilungsprozesse aktiviert und somit die Sehnenreizung lindern kann. Die Injektion wird meist in den Sehnenansatz der Unterarmstreckmuskulatur vorgenommen. Bis die volle Wirkung einsetzt, kann es mehrere Tage bzw. bis zu vier Wochen dauern. Die Wirkung hĂ€lt dann meist zwei bis sechs Monate an. Eine mögliche Nebenwirkung ist eine vorĂŒbergehende SchwĂ€che der Finger- und Handgelenksstrecker.

PRP- bzw. ACP-Injektion

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ★ ☆ ☆ 3.0

Die Injektion von plĂ€ttchenreichem Plasma (PRP) stellt eine Therapieoption mit Eigenblut dar. Dabei wird eine kleine Menge Blut aus einer Armvene entnommen und anschließend zentrifugiert, um die flĂŒssigen von den festen (zellulĂ€ren) Blutbestandteilen zu trennen. Der flĂŒssige Anteil wird als Plasma bezeichnet und enthĂ€lt neben BlutplĂ€ttchen eine Reihe von entzĂŒndungshemmenden und regenerativen Wachstumsfaktoren (spezielle Proteine) und schmerzlindernden Botenstoffen. Das Plasma wird anschließend in das betroffene Sehnengewebe injiziert und soll dort zu einer schnelleren Regeneration und Schmerzreduktion beitragen.

Eine sehr Ă€hnliche Behandlung ist die ACP-Therapie (ACP steht fĂŒr „Autolog Conditioniertes Plasma“): Mittels eines speziellen Doppelspritzensystems wird Blut aus der Armvene entnommen und sogleich in einer Spezialzentrifuge aufbereitet. Das so mit Wachstumsfaktoren angereicherte Plasma wird in das betroffene Sehnengewebe injiziert und soll dort zu einer schnelleren Regeneration und Schmerzreduktion beitragen.

Kortison-Infiltration

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ★ ★ ☆ 4.0

Der Einsatz von Kortison in der Behandlung des Tennisarms kann bewiesenermaßen zu einer kurzfristigen Schmerzreduktion beitragen, ist jedoch angesichts möglicher langfristiger Komplikationen kritisch zu hinterfragen. Bei der Kortison-Infiltration wird eine Mischung aus einem LokalanĂ€sthetikum (lokale BetĂ€ubung) und Kortison in den betroffenen Bereich am Unterarm eingespritzt. Kortison wirkt entzĂŒndungshemmend und fĂŒhrt so zu einer kurzfristigen Besserung der Beschwerden, da dem Tennisarm eine Reizung der Sehne zugrunde liegt. Die Wirkung des Kortisons tritt meist nach 24-48 Stunden ein, spĂ€testens jedoch nach einer Woche. Da Kortison die Sehnen langfristig schĂ€digen kann, ist eine mehrfache Wiederholung der Infiltration nicht empfohlen. Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft fĂŒhren Kortison-Infiltrationen im Fall des Tennisarms lediglich zu einer kurzfristigen Verbesserung der Beschwerden und sollten angesichts der möglichen Komplikationen kritisch betrachtet werden.

Ultraschallgezielte Kortison-Infiltration

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ★ ★ ☆ 4.0

Der Einsatz von Kortison in der Behandlung des Tennisarms kann bewiesenermaßen zu einer kurzfristigen Schmerzreduktion beitragen, ist jedoch angesichts möglicher langfristiger Komplikationen kritisch zu hinterfragen. Bei der Kortison-Infiltration wird eine Mischung aus einem LokalanĂ€sthetikum (lokale BetĂ€ubung) und Kortison in den betroffenen Bereich am Unterarm eingespritzt. Dank Ultraschallkontrolle kann die Infiltration besonders genau vorgenommen werden. Kortison wirkt entzĂŒndungshemmend und fĂŒhrt so zu einer kurzfristigen Besserung der Beschwerden, da dem Tennisarm eine Reizung der Sehne zugrunde liegt. Die Wirkung des Kortisons tritt meist nach 24-48 Stunden ein, spĂ€testens jedoch nach einer Woche. Da Kortison die Sehnen langfristig schĂ€digen kann, ist eine mehrfache Wiederholung der Infiltration nicht empfohlen. Nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft fĂŒhren Kortison-Infiltrationen im Fall des Tennisarms lediglich zu einer kurzfristigen Verbesserung der Beschwerden und sollten angesichts der möglichen Komplikationen kritisch betrachtet werden.


Chirurgische Tennisarm Behandlung

Die Wahl einer operativen Behandlung des Tennisarms sollte erst nach Ausschöpfen der konservativen Therapie erfolgen. Aufgrund des hohen Selbstheilungspotentials sollte eine chirurgische Intervention erst nach frĂŒhestens 6 Monaten und bei Vorliegen eines strukturellen und klinischen Korrelats diskutiert werden. 

Offenes OP-Verfahren nach Hohmann

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ★ ★ ☆ 4.0

FĂŒr die chirurgische Behandlung des Tennisarms am gĂ€ngigsten ist ein offenes OP-Verfahren. Hierbei erfolgt der Zugang ĂŒber einen in etwa 4-5 cm langen Schnitt oberhalb des Ellenbogens. Anschließend werden die SehnenansĂ€tze des Musculus extensor radialis brevis (ECRB; kurzer speichenseitiger Handgelenksstrecker), die am Oberarmknochen entspringen, vorsichtig vom Knochen abgelöst. Das erkrankte Gewebe wird entfernt. Der Muskel vernarbt so, dass er etwa einen Zentimeter von der ursprĂŒnglichen Stelle entfernt ansetzt. Dadurch nimmt einerseits die Spannung ab, andererseits können die ĂŒbrigen Sehnenanteile im Rahmen der Vernarbung ausheilen. Diese Operationsmethode kann zusĂ€tzlich mit dem Verfahren nach Wilhelm kombiniert werden, bei welchem das sensible Nervengeflecht im Operationsgebiet rĂŒckgekĂŒrzt und verödet wird. Dies wird als â€œDenervierung” bezeichnet. Abschließend wird die Wunde genĂ€ht und steril verbunden.

Offenes OP-Verfahren nach Wilhelm

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ★ ★ ☆ 4.0

Beim offenen Verfahren erfolgt der Zugang ĂŒber einen kleinen Schnitt oberhalb des Ellenbogens. Die Technik nach Wilhelm umfasst die Denervierung, also die Durchtrennung und Verödung feiner NervenĂ€ste im Ellbogenbereich. Diese Technik wird hĂ€ufig zusammen mit dem Verfahren nach Hohmann kombiniert: Hierbei werden die SehnenansĂ€tze des Musculus extensor radialis brevis (ECRB; kurzer speichenseitiger Handstrecker), die am Oberarmknochen entspringen, vorsichtig vom Knochen abgelöst. Das degenerative Gewebe wird entfernt. Der verbleibende Muskel vernarbt schließlich so, dass er etwa einen Zentimeter von der ursprĂŒnglichen Stelle entfernt ansetzt. Dadurch nimmt einerseits die Spannung ab, andererseits können die ĂŒbrigen Sehnenanteile im Rahmen der Vernarbung ausheilen. Dieser Spannungsverlust soll ein neuerliches Auftreten einer SehnenĂŒberlastung vermeiden und zu einer langfristigen Besserung fĂŒhren. Abschließend wird die Wunde genĂ€ht und steril verbunden.

Offenes OP-Verfahren nach Nirschl

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ★ ★ ☆ 4.0

In der operativen Therapie des Tennisarms ist ein offenes Verfahren am gĂ€ngigsten. Hierbei erfolgt der Zugang ĂŒber einen ca. 4-5 cm langen Schnitt oberhalb des Ellenbogens. Anschließend wird der krankhaft verĂ€nderte Sehnenanteil des Musculus extensor carpi radialis brevis (ECRB; kurzer speichenseitiger Handgelenkstrecker) entfernt und der angrenzende Oberarmknochen (sog. Epicondylus) mehrfach angebohrt. Das durch die Bohrungen austretende Blut fördert die Regeneration des Gewebes. So kann der zurĂŒckbleibende Muskel spannungsfrei vernarben, was zu einer langfristigen Besserung der Beschwerden fĂŒhren soll. Abschließend wird die Wunde genĂ€ht und steril verbunden.

Radiofrequenzablation

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ★ ★ ☆ 4.0

Bei der Radiofrequenzablation (RFA) wird das degenerierte Gewebe mittels kurzfristiger, starker Erhitzung einer KanĂŒle unter Ultraschall-Kontrolle entfernt. Dazu wird das schmerzhafte Areal entsprechend desinfiziert und gegebenenfalls lokal betĂ€ubt. Anschließend wird das Sehnengewebe unter Sicht der KanĂŒle mehrfach durchstochen und die Spitze elektrisch stark erhitzt, wodurch degeneriertes Gewebe zerstört wird. Durch die Verödung der krankhaften Sehnenanteile kann das umgebende Gewebe ausheilen. Schließlich wird die Punktionsstelle steril verbunden. Ein großer Vorteil der perkutanen Verfahren wie die RFA ist die ĂŒblicherweise kĂŒrzere Operationszeit. Durch die kleineren WundflĂ€chen können außerdem die Komplikationsrate, Infektionswahrscheinlichkeit sowie das Auftreten von Wundheilungsstörungen nach der Operation im Vergleich zu offenen Operationen reduziert werden. 

Arthroskopisches OP-Verfahren

Studienlage zur Wirksamkeit: ★ ★ ★ ★ ☆ 4.0

Das arthroskopische Operationsverfahren stellt einen minimalinvasiven Eingriff dar. Dabei wird mithilfe sehr kleiner Schnitte und einer Minikamera operiert. Die verwendeten Instrumente sind nicht viel grĂ¶ĂŸer als ein Stift und ermöglichen sehr prĂ€zises Arbeiten. Nachdem die Instrumente durch kleine Hautschnitte eingebracht wurden, kann degeneriertes Sehnengewebe geglĂ€ttet oder entfernt werden. Das Ziel ist die Entfernung des krankhaft verĂ€nderten Sehnengewebes, um eine Ausheilung des umliegenden Gewebes zu erreichen. Die zurĂŒckbleibenden Sehnenanteile werden durch NĂ€hte oder mithilfe sogenannter Fadenanker befestigt, um die Sehne bis zur Einheilung am Knochen zu fixieren. Die kleinen Wunden werden anschließend verschlossen und steril verbunden. Die postoperative Rehabilitation gestaltet sich bei arthroskopischen Eingriffen in aller Regel kĂŒrzer und komplikationsĂ€rmer als bei der offenen Methode.


Was sind die Ursachen eines Tennisarms?

Der Begriff „Tennisarm“ ist ein wenig irrefĂŒhrend, da sich verschiedenste Ursachen fĂŒr diese Erkrankung finden lassen. Die Sehnen am Ă€ußeren Ellbogen unterliegen einer stĂ€ndigen Zugbelastung, die unter normalen UmstĂ€nden keine Schmerzen verursachen. Meist treten Schmerzen nach vermehrter, sich wiederholender Belastung auf. Die Sehnen reagieren mit einem strukturellen Umbau: Es wird normales, nicht schmerzhaftes Sehnengewebe durch weniger elastisches und krankhaft verĂ€ndertes Sehnengewebe ersetzt. Die genaue Schmerzentstehung ist noch nicht exakt geklĂ€rt. Man nimmt jedoch unter anderem an, dass kleine, sensible Nervenendigungen in den krankhaft verĂ€nderten Sehnen neu entstehen und so einen Teil des Schmerzes verursachen. Untersuchungen des Gewebes unter dem Mikroskop haben gezeigt, dass eine EntzĂŒndung nicht die Hauptursache ist. Rauchen, Übergewicht, hoher Konsum von verarbeiteten und fetthaltigen Lebensmitteln und manuelle TĂ€tigkeiten, die ein wiederholtes Belasten der Handgelenkstreckmuskeln erfordert, gelten als Risikofaktoren.

Was sind die Symptome eines Tennisarms?

Meist Ă€ußert sich ein Tennisarm durch Schmerzen im seitlichen Ellbogengelenk mit Ausstrahlung in den Ober– und Unterarm, insbesondere beim AusĂŒben von Druck. Das Strecken des Handgelenks fĂŒhrt zu einer SchmerzverstĂ€rkung und alltĂ€gliche TĂ€tigkeiten, die den Einsatz des Armes erfordern, können zur Qual werden. Weiters kann der Ă€ußere Ellbogen geringfĂŒgig geschwollen und ĂŒberwĂ€rmt erscheinen.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Diagnose eines Tennisarms wird in erster Linie durch die körperliche Untersuchung des betroffenen Arms gestellt. Bildgebende Untersuchungsmethoden wie die Ultraschalluntersuchung oder eine MRT (Magnetresonanztomographie) ermöglichen es, die genaue Ausdehnung der SehnenverĂ€nderung zu beurteilen. Des Weiteren können durch die Bildgebung andere GrĂŒnde fĂŒr Schmerzen am Ă€ußeren Ellbogen, beispielsweise ein Supinatorsyndrom (Einengung eines kleinen Nervs) oder eine Arthrose des Ellbogengelenks, ausgeschlossen werden.

Wie kann man dem Tennisarm vorbeugen?

Um der Entstehung eines Tennisarms vorzubeugen, sollten Ăœberanstrengung sowie plötzliche und intensive Belastung der Muskeln und Sehnen vermieden werden. Damit diese plötzlichen Überbelastungen gar nicht erst entstehen, braucht es einen guten Trainingszustand. RegelmĂ€ĂŸiges Kraft- und Ausdauertraining sind also entscheidende PrĂ€ventivmaßnahmen. Wer einer TĂ€tigkeit mit stĂ€ndig gleichen BewegungsablĂ€ufen nachgeht – sei es am Schreibtisch, im Handwerk, im Sport oder bei der Hausarbeit – sollte immer wieder auf genĂŒgend Entlastung achten. Hilfreich ist es etwa, hĂ€ufig den Handgriff zu verĂ€ndern. In der Akutphase sollte unbedingt eine Ruhigstellung erfolgen und Überlastung vermieden werden, um die Chronifizierung der Beschwerden zu verhindern. Gleichzeitig sollten die im Lebensstil verankerten Risikofaktoren (z. B. Rauchen, Übergewicht, stark verarbeitete Lebensmittel) möglichst vermieden werden.


FAQ

Woher wisst ihr, welche die besten Behandlungen sind?

Unsere wissenschaftliche Redaktion durchforstet laufend die neuesten medizinischen Leitlinien und Studien. Alle unsere Angaben spiegeln Erkenntnisse aus diesen wider. Wie genau wir arbeiten, erfÀhrst du hier.

Hier fehlt eine Behandlungsoption – warum listet ihr nicht alle Optionen?

Wir fĂŒhren nur Behandlungsoptionen an, die in aktuellen Leitlinien und Studien berĂŒcksichtigt werden. Wenn Behandlungsoptionen sehr neu oder wenig erforscht sind, dann kann es sein, dass sie hier nicht gelistet werden. Wenn du eine Option vermisst, kannst du uns gerne eine E-Mail schreiben: office@caringdoctorsclub.com


Quellen:

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